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Erfolgreiche Modelle für Energieressource Beton

 energiespeicher

Hohe Beteiligung beim Internationalen Award "Energiespeicher Beton"

Für den mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Innovationspreis "Energiespeicher Beton" wurden bis zum 28. Juni 2010, an dem die Einreichfrist endete, 73 Projekte eingereicht. 63 Bewerbungen haben die zweite Stufe erreicht - 26 davon aus Österreich, 24 aus Deutschland und 13 aus der Schweiz. Dem Wettbewerb liegt die Auseinandersetzung mit dem Baustoff Beton als Energiespeicher zugrunde, wobei die zukunftsweisende Technologie der thermischen Bauteilaktivierung im Zentrum steht. "Die große Anzahl der Einreichungen sind ein beeindruckender Erfolg. Allein die Menge der Projekte aus Österreich zeigen das große heimische Engagement", freut sich DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie über die positive Resonanz. "Mit den eingereichten Projekten aus Deutschland und der Schweiz forcieren wir den internationalen Erfahrungsaustausch, um den Einsatz von Beton als Kühl- und Heizelement zu verstärken." Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind für die österreichische Zementindustrie seit Jahren wesentliche Themenschwerpunkte. Der Bewerb wurde mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), der Austrian Construction Technology Platform (ACTP), des Betonmarketings Österreich sowie der deutschen und schweizerischen Betonindustrie initiiert. Die dicken Mauern alter Gebäude haben die Fähigkeit Wärme und Kühle zu speichern und abzugeben. Diese gleiche Fähigkeit mit Klimatisierungseffekt zeichnet auch den Baustoff Beton aus, dem zunehmend große Bedeutung beim Bau von Gebäuden zukommt. Historisch gesehen wurde bereits von den Etruskern und Römern ein Heizsystem mittels Bauteilaktivierung eingesetzt. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Technologie mit adäquaten Mitteln ausgebaut, 1907 installierte der Londoner Ingenieur A.H. Barker die erste Deckenheizung, die aus einer Betondecke mit integrierten Stahlrohrregistern bestand. In den 1930er Jahren, begann man so genannte Deckenheizungen - mit Einbau von Rohrschlangen - seriell in Einfamilienhäuser einzubauen. In der Schweiz wurde in den Jahren 1936/1937 ein Kaufhaus mit so genannten Crittall-Decken ausgestattet, die als Strahlungsheiz- und Kühldecken fungierten. Allerdings konnte sich das System nicht richtig durchsetzen und gewann erst durch die Ölkrise in den Siebzigerjahren neue Bedeutung. In den Neunzigerjahren wurden in der Schweiz und Deutschland nach dem Prinzip der Crittall-Decke "temperierte Bauteile" eingesetzt.

Pilotprojekte mit Vorbildwirkung

Als eines der ersten in Österreich gebauten, bauteilaktivierten Gebäude gilt die 2003 fertig gestellte Grazer Niederlassung von Roche Diagnostics, wo man sich ganz bewusst bei der Gebäudekonzeption für ein nachhaltig ausgelegtes Heiz- und Kühlsystem entschieden hat. Unter Ausnutzung der Speichermasse Beton können die Lastspitzen durch die thermische Masse abgefedert werden, wobei die Wassertemperatur beinahe den Wert der Raumtemperatur erreicht und damit die Effizienz steigert. 2006 wurden die Kavernen im Salzburger Mönchsberg fertig gestellt, die ebenfalls den Komfort der Betonteilaktivierung nutzen. Im Juli 2008 wurde das von den pos-Architekten geplante Passivbürohaus ENERGYbase eröffnet, das im Rahmen strikter Nachhaltigkeitsvorgaben sämtliche energieeffiziente Bauelemente zum Einsatz bringt und bereits mit zahlreichen Klima- und Umweltpreisen ausgezeichnet wurde. Kurz darauf, im September 2008, wurde in Linz das ambitionierte Projekt Power-Tower der oberösterreichischen Energie AG in Linz in Betrieb genommen. Dieses nützt die thermische Masse der Betondecken und Bohrpfähle aus Beton zur Energiegewinnung - ein weiteres erfolgreiches Beispiel für die Verwendung des Energiespeichers Beton in der österreichischen Architekturlandschaft.

Erfreuliche Zwischenbilanz des Awards "Energiebeton"

Ganz im Zeichen dieser Bestrebungen wurden für den länderübergreifenden Wettbewerb Gebäude gesucht, die zwischen 2000 und 2010 errichtet wurden oder gerade in Entstehung sind und über entsprechende Erfahrungswerte verfügen. Den größten Part unter den Einreichungen bilden die Dienstleistungsgebäude mit insgesamt 44 Projekten, gefolgt von 14 Einfamilienhausprojekten und fünf großvolumigen Wohnbauten. "Der Trend zur Nutzung der Bauteilaktivierung auch bei Einfamilienhäuser ist erfreulich und zeigt einmal mehr, wie sehr privaten Bauherren das Thema Energie am Herzen liegt", sagt DI Felix Friembichler. Der große Vorteil der Bauteilaktivierung ist es, bei einem Minimum an Energieverbrauch ein Maximum an Wohnkomfort zu schaffen. Die Abhängigkeit von externen Energiequellen auf ein Minimum zu reduzieren ist dabei das erklärte Ziel. "Wir wollen versuchen, diesen Aspekt noch mehr in den Köpfen der Architekten und Planer zu verankern. Anhand der eingereichten Projekte ist klar das ökologische und ökonomische Potential der aktiven Nutzung der Speichermasse von Beton nachweisbar", so Friembichler weiter. Mit einem aufwändigen Prozedere wurden die Projekte gescreent, bevor nun mit der tatsächlichen Auswertung und Beurteilung durch die Jury begonnen wird. Bemerkenswert sind die unterschiedlichsten Lösungsansätze der Einreichungen zur Reduktion des Energieaufwandes. "Die Vorbildwirkung dieser Projekte wird einiges in Bewegung setzen", ist sich Friembichler sicher. Angestrebt wird ein Umdenkprozess in der gesamten Baubranche. Bereits in der Planungsphase sollen alle Chancen des effektivsten Energieeinsatzes des jeweiligen Bauprojektes genutzt werden. Der Kreativität sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt, die Einreichungen sind der beste Beweis dafür.

Beton: nachhaltiges Bauen vom Bürogebäude bis zum Einfamilienhaus

Eine der entscheidenden Qualitätsmerkmale für moderne Architektur ist eine möglichst ausgeglichene Energiebilanz. Deshalb müssen noch mehr Anreize für die Bauindustrie geschaffen werden, sich effizienter Mittel zu bedienen, die nachhaltig und umweltschonend zugleich sind. Mit dem internationalen Innovationspreis "Energiespeicher Beton" setzt die Zementindustrie neue und klare Impulse. Beton leistet als thermischer Speicher einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz, nicht zuletzt deshalb, weil die Kombination aus Betonbauteilen und Heizungssystem im Hinblick auf die Argumente der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit hohen Ansprüchen gerecht wird. Unter diesem zukunftsweisenden Aspekt trägt Beton als bedeutendes Element in der modernen Architektur künftig erheblich zur ökologisch und ökonomisch sinnvollen Nutzung zukünftiger Bauwerke bei und wird sich noch stärker in der Gruppe nachhaltiger Baustoffe positionieren, sagen die Experten. Aus diesem Grund liegt der Fokus des Wettbewerbs auf dem gezielten Einsatz der Bauteilaktivierung. Die Einreichungen zeigen eindeutig, dass sich das System für jede Art der Gebäudenutzung und für jede Dimension eines Bauvolumens hervorragend eignet – vom mehrstöckigen Bürogebäude bis zum klassischen Einfamilienhaus.

Preisverleihung Award "Energiespeicher Beton" am 3. November

Der Wettbewerb für den Innovationspreis soll die neuen Perspektiven für den Einsatz von Beton aufzeigen. Betonbauwerke verfügen über genügend Masse, um Gebäude zumindest partiell mit genügend kühlender und wärmender Energie zu versorgen. Ein wichtiges Kriterium in der Architektur, auf Beton nicht zu verzichten und langfristige sowie nachhaltige Werte aufzubauen. Für den Innovationspreis 2010 wird das attraktivste Bauwerk mit thermischer Bauteilaktivierung gesucht, das allen relevanten wesentlichen Parametern gerecht wird: Heizung und Kühlung des Gebäudes, ein angenehmes, regelmäßiges Raumklima und die Reduktion des Energiebedarfs. Ende Juni endete die zweite Stufe der Befragung. Nach einer Auswertung der einzelnen zugelassenen Projekte in den kommenden Wochen wird die Jury am 27. September 2010 zusammenkommen und die Gewinner ermitteln. Die feierliche Verleihung des Innovationspreises findet am 3. November 2010 in der Wirtschaftskammer Österreich statt.