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Geschliffener weißer Spritzbeton: Die innovative Tunneloberfläche

In Österreich werden derzeit bei Tunnelinnenschalen hauptsächlich Anstriche verwendet, um die geforderten Oberflächeneigenschaften wie Helligkeit, Reinigungsfähigkeit, glatte Oberfläche und Reflexion zu erreichen. Teilweise treten aber schon wenige Wochen nach Verkehrsfreigabe Schäden an den Anstrichsystemen auf, was zur Verminderung der Verkehrssicherheit und zu häufig auftretenden, kostspieligen Instandsetzungen führt.

Tunnelauskleidungen aus geschliffenem weißen Spritzbeton stellen hier eine effiziente Alternative dar, da sie längere Sanierintervalle aufweisen und weniger Arbeitsschritte und dadurch auch weniger Kosten für die Erneuerung erfordern. Im Vergleich zur herkömmlichen Beschichtung ist die Dauerhaftigkeit einer mineralischen Oberflächenschicht wie dem Spritzbeton um ein vielfaches höher. Im ungünstigsten Fall ist das Abschleifen der Tunneloberfläche zur Herstellung des ursprünglichen Abnahmezustandes erforderlich. Das nimmt aufgrund der maschinellen Ausführung der Arbeit nicht allzu viel Zeit in Anspruch. Häufige und längere Tunnelsperren können so vermieden werden.

Nach umfassenden Untersuchungen und Forschungen im Labor wurde der Spritzbeton nun praxisnahe in einem Tunnel der steiermärkischen Landesregierung getestet. Dafür wurde der Tunnel „Zigeunerbrücke“ im Gesäuse (B146) gewählt. Zuerst wurde eine dünne Schicht der bestehenden, tragenden Innenschale abgefräst. Der Untergrund muss rau genug sein, damit sich die neue Schicht mit der alten verbindet. Nach dem Fräsen wurden eventuell noch vorhandene lose Teile mittels Hochdruckwasserstrahlen entfernt. Vor dem Auftragen des Spritzbetons wurde die Abreißfestigkeit geprüft. Im Anschluss erfolgte der Schleifvorgang mittels einer von der Firma Junger speziell entwickelten Maschine: Der Schleifkopf hat eine Einsatzbreite von 500 mm und ist mit drei Schleiftellern bestückt, die unabhängig schwenkbar gelagert sind. Diese Anordnung ermöglicht es, die unterschiedlichen Oberflächengeometrien von Tunnelobjekten mit gewölbten Innenschalen gleichmäßig zu bearbeiten und eine glatte, kantenfrei geschliffene Oberfläche herzustellen. Das Schleifen und die Schleifintensität sind individuell einstellbar. Zu guter Letzt wurde die Oberfläche imprägniert, um einer schnellen Verschmutzung vorzubeugen.


Dass der geschliffene weiße Spritzbeton alle relevanten Oberflächeneigenschaften (Widerstandsfähigkeit, Helligkeit und Reinigungsfähigkeit) erfüllt und seine Dauerhaftigkeit mit herkömmlichen Konstruktionsbetonen vergleichbar ist, spricht eindeutig für ihn. Insbesondere die Reproduzierbarkeit und eine gegenüber Temperaturschwankungen bzw. eingeschränkten Temperaturbereichen geringe Empfindlichkeit sind als wesentliche Vorteile dieses Baustoffs zu nennen. Mit weißem Spritzbeton werden auch Anforderungen wie Frost-Taumittel-Beständigkeit erfüllt. Zusätzlich kann durch einen ausreichenden Fasergehalt und eine adäquate Faserverteilung ein Beitrag zur Erhöhung der Brandbeständigkeit erzielt werden. Dies ermöglicht eine brandschutztechnische Ertüchtigung von Tunnelbauten im Zuge von Instandsetzungsarbeiten. In Anbetracht all dieser Aspekte ist klar, warum geschliffener weißer Spritzbeton als die Innovation bei der Beschichtung von Tunnelinnenschalen gilt.