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Österreichischer Betonstraßentag 2012

Am 25. September 2012 fanden sich im Haus der Industrie in Wien zahlreiche Experten zum Thema Betonstraßenbau ein. In den letzten 30 Jahren gab es im Straßenbau enorme technische Entwicklungen und Veränderungen. Wie diese heute umgesetzt und weiterentwickelt werden, und wie es um zukünftige Herausforderungen steht, das stand im Vordergrund der Veranstaltung.

 Betonstrassen News

 

Betonstraßen - Tradition in Österreich

Die erste Betonstraße Österreichs wurde 1904 in Amstetten hergestellt, allerdings wurde diese 1915 als "unbrauchbar" deklariert, da "die Pferde zu schnell ermüden". Die Erwartungen und Anforderungen an Betonstraßen der heutigen, modernen Generation sind da schon etwas höher geschraubt. Bei einer Beanspruchung von mehreren tausenden Fahrzeugen pro Tag ist Beton die erste Wahl. Betondecken sind hinsichtlich Festigkeit, Lastverteilung, Griffigkeit, Helligkeit, Verschleiß- und Verformungswiderstand für alle Verkehrsflächen geeignet und haben in Österreich eine lange Tradition und dadurch ein hohes, technisches Niveau. Dennoch wird weiterhin kontinuierlich an der Verbesserung des Produktes Betonstraße gearbeitet, mit großem Augenmerk auf die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und auf das Thema Nachhaltigkeit, berichtet der erste Vortragende DI Arno Piko (ASFINAG). Lärmemissionen gehören zu den wichtigsten Umweltauswirkungen des Straßenverkehrs. DI Manfred Haider vom Austrian Institute of Technology stellt in seinem Vortrag das Projekt CNOSSOS (Common Noise Assessment Methods in Europe)-EU vor: eine EU-weite, einheitliche Methode zur Bewertung von Umgebungslärm soll es künftig einfacher machen, Lärm durch Straßen-, Schienen- und Flugverkehr sowie Industrietätigkeit zu erfassen. Im Rahmen des Projektes werden voraussichtlich auch die Verfahren zur lärmtechnischen Charakterisierung von Fahrbahndecken harmonisiert.

Marchtrenker Vill BST 2012
DI Dr. Eva-Maria Eichinger-Vill, BMVIT,
und DI Stefan Marchtrenker, VOEZfi

Nachhaltige Betonstraßen

Die Frage nach einer nachhaltigen Ressourcennutzung am Ende der Lebensdauer der Betonstraße stellt DI Stefan Marchtrenker (VOEZfi). Jeder Kilometer einer Betondecke stellt am Ende der Nutzungsdauer bis zu 4.000 m³ Recyclinggesteinskörnung für einen neuen Fahrbahnaufbau dar, so können wir vorhandene, natürliche Rohstoffe schonen und Kosten sparen. Auch die Transportbelastung wird dadurch reduziert, und Emissionen werden gesenkt. Grundlage für die österreichische Methode der Wiederverwertung des Recyclingmaterials bildet die zweischichtige Ausbildung der heute technisch ausgereiften Betondecke. Hierbei besteht der Unterbau aus einer Asphalttragschicht auf einer Zementstabilisierung oder ungebundenen Tragschicht. Darüber liegt die Betondecke in zweischichtiger Ausführung mit Unterbeton aus Recyclingbeton und einer relativ dünnen Schicht aus hochwertigstem Oberbeton, der in der Regel mit einer lärmarmen Waschbetonoberfläche ausgeführt wird.

Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer

Krispel BST 2012
Mag. (FH) DI Dr. Stefan Krispel,
VOEZfi

Mit der in Österreich seit über 20 Jahren üblichen Waschbetonstruktur werden nicht nur Lärmemissionen verringert, sondern vor allem eine hervorragende Griffigkeit der Fahrbahnoberfläche erzielt. In Europa zählt Österreich gemeinsam mit Belgien und Deutschland zu den Impulsstaaten in Sachen Betondeckenbauweise. Die ersten Waschbetonstrecken in den USA wurden nach österreichischem Vorbild 2008, in Spanien 2010 gebaut. Um den Verkehrsteilnehmern ein hohes Maß an Komfort und Sicherheit bieten zu können, wird neben der Griffigkeit auch stetig an der Helligkeit von Betonoberflächen gearbeitet. Ein wesentliches Kriterium ist z.B. die Helligkeit des Tunnelraumes bestehend aus der Fahrbahn, den Tunnelwänden und der Decke. Diesem Thema haben sich DI Michael Steiner (ASFINAG) und Mag. (FH) DI Dr. Stefan Krispel (VOEZfi) gewidmet. Die vorhandenen bzw. gewählten Oberflächenhelligkeiten beeinflussen in einem beträchtlichen Ausmaß die Energiekosten (Beleuchtungskosten) des jeweiligen Tunnelbauwerkes. Helle Oberflächen tragen insbesondere in Tunnels, bei denen die Sehleistung des Verkehrsteilnehmers besonders gefordert wird, einen bedeutenden Teil zur Senkung des Unfallrisikos bei. Aktuell werden wartungsarme und energiesparende LED-Beleuchtungen und helle Betoninnenschalen ohne Tunnelanstrich geprüft, um so die Sicherheit noch weiter zu optimieren.

Ankündigung: Das Österreichische Betonstraßenhandbuch

Steigenberger BST 2012
DI Dr. Johannes Steigenberger,
VOEZfi

Alle Vortragenden konnten ihre Beiträge in der vorgesehenen Zeit darbringen, sehr zur Freude von DI Dr. Eva-Maria Eichinger-Vill (BMVIT), die der Veranstaltung durch ihre erfrischende Moderation den gewissen Schwung verlieh. Auch DI Dr. Johannes Steigenberger, Leiter des Forschungsinstituts der VÖZ (VOEZfi), hatte Grund zur Freude: er kündigte "Das Österreichische Betonstraßenhandbuch – der Leitfaden für die Praxis" an, ein kompakt zusammengestelltes Kompendium zum Thema Betonstraßen, das Ende November 2012 erscheint. Das Nachschlagwerk ist für Planer, örtliche Bauaufsicht und Anwender konzipiert, soll aber auch als Grundlage für die Lehre an technischen Schulen, Fachhochschulen und Universitäten dienen. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. DI Dr. Ronald Blab wurden die Autoren und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Baupraxis mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung in den Entstehungsprozess dieses Handbuchs integriert und koordiniert. Wir dürfen gespannt sein.

Hier stellen wir Ihnen die Kurzfassungen aller Beiträge als Download zur Verfügung:
pdfBetonstraßentag 2012 Kurzfassungen1.32 MB