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Architektur in der Peripherie

In Paris kann man eines der interessantesten Projekte der internationalen Zementindustrie besichtigen: die Zementverteileranlage inklusive Qualitätskontrolle und Büroräumen von CIMENTS CALCIA.

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Foto: © Stephane Chalmeau

Entworfen und gestaltet wurde die Architektur durch das Pariser Büro vib architecture von Bettina Ballus und Franck Vialet. Das Bauwerk wurde im April 2014 fertiggestellt und befindet sich im Areal der Bruneseau Nord Region, direkt neben dem stark befahrenen Boulevard Périphérique. Die Architekten situierten die zwei Hauptsilos für die Zementlagerung an der einzig möglichen Stelle, die einen reibungslosen Ablauf und die Vernetzung der Arbeitsprozesse sicherstellte. Das Qualitätskontrollzentrum liegt halb unter den Boulevard Périphérique. Das Bürogebäude wurde direkt an der Grundgrenze auf Säulen situiert - so können die Lkws darunter durchfahren - und der fünfte vertikale Silo verbindet als Stiegenhaus und Liftturm alle verschiedenen Funktionen miteinander.

Obwohl die Materialität der Oberflächen und die Technik eher gewöhnlich sind, stellt die Architektur eine einzigartige Transformation eines "workspace" dar, eine Hommage an das Material, das sie inhaltlich ausmacht. Es entspricht der Identität des Bauherrn, und Beton offenbart hier seine skulpturalen Potenziale - alles wird zu einer Einheit.

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Foto: © Stephane Chalmeau

Die Hauptsilos und der vertikale Erschließungsturm wurden mittels Gleitschalungen gegossen. Die Arbeitsplattform hob sich um 2,5 cm pro Stunde, drei Wochen lang, Tag und Nacht. Durchschnittlich waren 15 Arbeiter auf der Plattform beschäftigt. Die Hüllen für die horizontalen Silos wurden vorfabriziert, mit Lastwägen angeliefert, mit Kränen versetzt und in nicht mehr als 24 Stunden pro Einheit fertiggestellt. Bei den Büros und der Qualitätskontrolle genügten die Öffnungen an den beiden Enden des Zylinders nicht für einen ausreichenden Lichteinfall bei allen Arbeitsplätzen. Die zusätzlichen Lichtöffnungen in der Außenhülle mussten groß genug für die benötigte Lichtmenge und klein genug, um den Eindruck der Massivität nicht zu stören, sein.

Der vertikale Stiegen- und Liftturm ist das auffallendste Objekt der Gesamtanlage. Da er nur 5 Meter von der verkehrsreichen Périphérique entfernt aufragt, fungiert er als Signal, als Landmark für die CIMENTS CALCIA. Seine "Fenster" vergrößern sich entsprechend der Höhenentwicklung des Turmes, eine Entmaterialisierung wird so - als Kontrast zu den beiden Silos im Hintergrund - erzielt.

Factbox:

  • Standort: Bruneseau Nord ZAC Paris Rive Gauche
  • Architekt: vib architecture - Bettina Ballus und Franck Vialet
  • Grundstücksfläche: 4.478 m²
  • Zwei 37 Meter hohe Silos mit je 11.000 m3 Zement in 6 verschiedenen Qualitäten
  • Verladestation für Züge mit 10 Waggons
  • Kompressoren und pneumatisches System für den Transport des Zements in die Silos
  • 4 Verladestationen unter den Silos mit Brückenwaagen
  • drehbare Plattform für Lkws
  • 150 m2 Bürogebäude auf Säulen
  • 180 m2 Qualitätskontroll- und Testzentrum
  • 70 m2 Verladeflächen
  • Parkplätze für die Mitarbeiter
  • Fertigstellung April 2014
  • Konstruktionskosten: 18 Mio. € (exkl. Mwst)

Text: Mag.arch. Peter Reischer