VÖZ Logo
header betondesign 03

Österreichs Zementindustrie: Jahresbilanz 2010 – Prognose 2011

 
  • 2010: Deutlicher Einbruch der Zementproduktion
  • Neue Berechnungsmodelle im Emissionshandel
  • Meilensteine bei Forschungsprojekten für Klimaschutz

Die Österreichische Zementindustrie verzeichnete 2010 einen erneuten Rückgang der Zementproduktion. Die Zahlen spiegeln die wirtschaftlich angespannte Situation des Jahres wider. Für 2011 scheint der Abwärtstrend gestoppt und eine positive Entwicklung ist erst 2012 in Sicht. Mag. Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ): "Das Jahr 2010 war für die heimische Zementindustrie ein sehr schwieriges Jahr, wir verzeichneten einen Einbruch um acht Prozent." Im Vergleich zum sehr erfolgreichen Jahr 2008, in dem die heimische Zementindustrie einen Umsatz von 457 Millionen Euro erwirtschaftete, kam es 2009 und 2010 mit 412 beziehungsweise 378 Millionen Euro Umsatz zu massiven Einbrüchen. "Die größten Risiken liegen in Verteuerungen am Rohstoff- und Energiemarkt. Denn von diesen Preisentwicklungen sind wir stark betroffen", sagt DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der VÖZ. Doch die Zementindustrie erwies sich gerade im vergangenen Jahr als vorbildhaft: 53,5 Millionen Euro wurden in Anlageninvestitionen gesteckt.

Das sehr erfolgreiche Jahr 2008 stellt die Wirtschaftszahlen der Zementindustrie für 2010 in den Schatten. Die Zementproduktion im Inland verzeichnete von 2008 auf 2009 bereits einen Rückgang um elf Prozent und ging 2010 im Vergleich zu 2009 nochmals um 8,4 Prozent zurück. Im Vergleich mit 2008 entspricht das einer verminderten Inlandsproduktion um rund 20 Prozent. Aber auch die Bruttowertschöpfung ist drastisch gesunken – von 171 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 164 Millionen Euro 2010. Zrost setzt 2011 jedoch auf den Wohn- und Gewerbebau und hofft auf die rasche Umsetzung der von der öffentlichen Hand beschlossenen Infrastrukturprojekte. "Laut IHS und WIFO wächst die Wirtschaft 2011 wieder – wir sind zuversichtlich, dass aufgrund des steigenden Bedarfs an Wohnfläche auch der Wohn- und Gewerbebau wieder in Schwung kommt", erklärt Zrost. "Der sich langsam abzeichnende Aufschwung der heimischen Wirtschaft würde der Zementindustrie jedenfalls gut tun", so Zrost weiter.

Bauwirtschaft schrumpft durch Sparbudgets

Die Bautätigkeit für den öffentlichen Sektor ging im Jänner 2011 um 23 Prozent auf 184,9 Mio. Euro zurück, die Ausgaben für den Straßenbau halbierten sich sogar auf 21,6 Millionen Euro, jene für Wohnungs- und Siedlungsbau um ein gutes Drittel auf 15,2 Millionen Euro. Anders als die Industrie hat sich die österreichische Bauwirtschaft im vergangenen Jahr nicht vom Produktionseinbruch in der Krise erholt. Ihr Produktionswert hat im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro abgenommen. Damit ist die Bauwirtschaft zum zweiten Mal in Folge stark rückgängig und liegt wieder auf dem Produktionsniveau des Jahres 2007. Bereits 2009 war das Bauvolumen um 7,5 Prozent geschrumpft. Während 2008 und 2009 staatliche Aufträge noch den Schnitt verbessert bzw. den Rückgang abgefedert hatten, gingen die Ausgaben der öffentlichen Hand im vergangenen Jahr überproportional stark zurück. Die öffentliche Bautätigkeit blieb 2010 mit einem Minus von 6,3 Prozent hinter der allgemeinen Entwicklung zurück. Eine Verbesserung am Bau ist nicht in Sicht, die Auftragsbestände sind praktisch gleich hoch wie Ende 2009. Die heimischen Hoch- und Tiefbauunternehmen leiden unter der eingeschränkten Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand.

Gemäß der aktuellen WIFO-Schnellschätzung wuchs das heimische BIP im I. Quartal 2011 saisonbereinigt gegenüber der Vorperiode real um ein Prozent. Die österreichische Bauwirtschaft befindet sich nach wie vor in der Krise. Seit dem II. Quartal 2008 sind die Bauinvestitionen rückläufig (I. Quartal 2011 real -0,3 Prozent gegenüber der Vorperiode), allerdings verlangsamte sich der Rückgang neuerlich.

Aufgrund der sinkenden Wohnbaufördermittel aus den Kassen der Bundesländer und dadurch bedingte starke Rückgänge im Neubau, besteht bereits jetzt in den städtischen Ballungsräumen in Österreich ein veritabler Wohnungsmangel. Experten sprechen von rund 10.000 Einheiten jährlich, die fehlen. Empfindliche Preissteigerungen sind schon jetzt am Mietwohnungssektor spürbar und werden sich weiter verstärken. 2011 werden laut WIFO in Österreich nur mehr etwa 37.400 Wohnungen genehmigt - gegenüber einem Bedarf von 49.000 Einheiten – wie ein Blick auf die zurzeit in Bau befindlichen Projekte und der neuen Bewilligungen zeigt.

Neue Berechnungsmodelle im Emissionshandel

Der Kohlendioxid-Ausstoß in der Europäischen Union ist im Zuge der Wirtschaftserholung im vergangenen Jahr gestiegen. In den vom Emissionshandel erfassten Bereichen habe das Plus 3,5 Prozent betragen. Damit lagen die CO2-Emissionen im Rahmen der Expertenerwartungen. Analysten hatten mit einem Zuwachs von zwei bis vier Prozent gerechnet, weil die Stromnachfrage und die Industrieproduktion nach dem Ende der globalen Krise wieder anzog. Die Energieunternehmen emittierten 2,4 Prozent mehr Treibhausgase, bei den übrigen Branchen lag das Plus bei 6,4 Prozent. "Der Kiotovertrag läuft 2012 aus. Das Einsparungsziel der EU wird von 20 auf 25 Prozent diskutiert. Hohe Einsparungsziele treffen über den Emissionshandel die energieintensive Industrie unmittelbar", warnt Friembichler. "Im Emissionshandel bricht mit der Handelsperiode 2013 bis 2020 ein neues Zeitalter der Berechnungsmethode an. Künftig erfolgt die Zuteilung der Zertifikate nach einem Benchmark-System."

Ökostromgesetz-Novelle

Die geförderte Erzeugung von Ökostrom ist in Österreich in den letzten Jahren enorm angestiegen.  Im Jahr 2011 werden voraussichtlich elf Prozent des öffentlichen Stroms aus stark subventionierten Ökostrom-Anlagen kommen. Im Jahr 2006 reichten noch 200 Millionen Euro aus um 9,5 Prozent Ökostrom zu erzeugen, heuer wird mit 400 Millionen Euro bereits die doppelte Summe aufzubringen sein. Die  Limitierung dieser Kostenexplosion ist für die Zementindustrie entscheidend, da die Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Baustoffen sonst nicht gesichert wäre. "Die vorgelegte Novelle entspricht in wichtigen Punkten den Erwartungen der Österreichischen Zementindustrie. Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf könnte eine wirklich bedeutende Wettbewerbsungleichheit in der Ökostrom-Preisgestaltung gegenüber unseren Nachbarländern abgefedert werden", resümiert Zrost.

Ohne Einführung der vorgesehenen Kostenbremse für die energieintensive Industrie hätte die heimische Zementindustrie zum Beispiel im Vergleich zu Deutschland eine 16mal höhere Ökostrom-Kostenbelastung ab dem Jahr 2011 (0,5 im Vgl. zu 8 €/MWh) zu tragen (in Summe vier Millionen Euro allein für die Österreichische Zementindustrie). Damit wäre die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Zementwerke ernsthaft gefährdet. Selbst mit der vorgesehenen neuen Regelung ergeben sich noch rund 2,5-fach höhere Ökostrom-Kosten als in Deutschland.

Allgemein werden neue Technologien mittels Förderungen an die Marktreife herangeführt, um sich dann selbstständig im Marktumfeld zu behaupten. "Bei Ökostrom-Technologien ist es anders. Trotz ausgereifter Technik, wie zum Beispiel beim Einsatz von Windrädern oder Photovoltaik, kann diese nur mit weiterer Förderung marktfähig sein", sieht Zrost die Situation problematisch. Es sei daher zu diskutieren, ob Energieeffizienzmaßnahmen, die zu einer nachweislichen Einsparung von Energie führen, nicht ebenso grundsätzlich gefördert werden sollten, meint Zrost. "Wir fordern dringend, dass die Unternehmen schon 2011 in den Genuss der neuen Regelung kommen", erklärt Friembichler in Bezug auf das geplante Inkrafttreten mit 1. Jänner 2012. Das grundsätzliche Problem aus Sicht der energieintensiven Industrie bleibt mit der vorgelegten Regelung bestehen: Der immer größer werdende sehr teuer geförderte Anteil an der Stromaufbringung führt zu einer Verteuerung der Stromkosten für Industrie, wie für Verbraucher.

Zementindustrie geht NOx – Selbstverpflichtung gegenüber Regierung ein

Mit den Bundesministerien für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie für Wirtschaft, Familie und Jugend wurde seitens der Österreichischen Zementindustrie eine freiwillige Verpflichtung zur Verminderung von NOx-Emissionen (gasförmige Oxide des Stickstoffs) eingegangen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus weitere Reduktionen von NOx-Emissionen umsetzen. "Österreich verfehlt das vereinbarte Reduktionsziel beim NOx eindrucksvoll. In dieser Situation hat die Zementindustrie mit den Lebens- und dem Wirtschaftsministerium eine Beschränkung der NOx -Emissionen unter den gesetzlich geforderten Werten vereinbart. Der vereinbarte Zielwert für die Branche für das Jahr 2010 von 405 mg/Nm3 konnte eingehalten werden", so Friembichler. Ab dem Jahr 2012 ist ein Jahresmittelwert für die gesamte Österreichische Zementindustrie von 395 mg/Nm3 vereinbart. In den Zementwerken wurden Aktivitäten gesetzt, um diese Zahlen schon früher erreichen zu können.

Meilensteine bei Forschungsprojekten für Klimaschutz

Zement spielt als Bindemittel von Beton eine bedeutende Rolle. Experten erwarten bis 2050 weltweit nahezu eine Verdopplung der Zementproduktion. Seit Jahren investiert die Österreichische Zementindustrie in Forschungsprojekte für den Klimaschutz und zählt europaweit zu den Besten bei Erreichung der Kiotoziele. Projekte mit zukunftsweisenden Konzepten zur Klinkereinsparung und Energieeffizienz wurden erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Forschungsprojekt "Neue Zemente – Zement mit geringerem CO2-Anfall bei der Herstellung" sowie "SCR – NOx-Minderung mittels Katalysatortechnologie" konnten 2010 bereits erste Meilensteine erreicht werden.

Mit neuen Zementen wird eine Klinkereinsparung bis zu 12 Prozent möglich. Das Forschungsvorhaben "Neue Zemente" wird ab 2012 fertiggestellt werden. "Klinkerarme Zemente eignen sich für die meisten Anwendungsgebiete und weisen eine wesentlich bessere Ökobilanz auf, denn je geringer der Klinkeranteil, desto stärker reduziert sich der CO2- Ausstoß wie auch die Inanspruchnahme von natürlichen Ressourcen", erklärt Friembichler, "denn in punkto Energieeinsparungen seitens der Produktionsanlagen sehen wir  kaum mehr erzielbare Möglichkeiten."

Ziel des SCR-Projekts (selektive katalytische Reduktion) ist, die Emissionen von Stickoxiden aus der bei der Zementherstellung entstehenden Abluft von derzeit 400 Milligramm pro Normkubikmeter deutlich zu senken. Zurzeit laufen entsprechende Aktivitäten in drei Zementwerken. Im Februar 2012 wird der neue Katalysator im Werk Mannersdorf in Betrieb gehen. Die Anlage ist als Semi-Rohgasschaltung konzipiert. Die Ofenabgase werden durch einen neu zu errichtenden Elektrofilter vorgereinigt und erst danach durch den KAT und durch ein Schlauchfilter geleitet. Dieser komplexe Ablauf ist durch die jeweils notwendigen Betriebstemperaturen in den einzelnen Verfahrensstufen bedingt. Die beiden Pilotprojekte in Wopfing und Kirchdorf laufen noch bis Ende 2011.

Der Rohgas-Pilot-KAT im Werk Wopfing hat die Erwartungen hinsichtlich der Beseitigung der Geruchsbelästigung nicht erfüllt, brachte aber Fortschritte bei der erforderlichen Abreinigung der Katalysatorzellen während des Betriebs. Weder bei der Standzeit noch beim Aktivitätsverlust der Katalysatorelemente konnten zufriedenstellende Resultate erzielt werden. Vordringliches Ziel ist, dass die Lebensdauer der Katalysatoren auf zumindest vier Jahre erweitert wird. Der Reingas-Pilot-KAT im Werk Kirchdorf wurde wegen unbefriedigender Ergebnisse nach einem Jahr umgebaut und wird in einer neuen Figuration und mit anderer Wabenbestückung weiter betrieben.

Bildung, das Fundament für Österreichs Zukunft

Neueste Erkenntnisse zur Nutzung des  "Energiespeicher Beton" mittels Bauteilaktivierung  zeigen innovative  Wege des energieeffizienten Bauens.  Damit die Theorie rasch zur Realität werden kann und neues Wissen so rasch wie möglich beim Nutzer ankommt, wurde gemeinsam mit der BauAkademie, der Bauinnung Salzburg und der Bundesinnung  ein Bildungsprogramm initiiert. Die neuesten Erkenntnisse und Forschungsergebnisse werden in unterschiedliche Lehr- und Ausbildungsangebote für die Bauwirtschaft sinnvoll und ergänzend integriert. Der Start erfolgte im Jänner dieses Jahres mit der Ausbildung der Lehrlinge und wird mit Seminaren für Poliere und Baumeister fortgesetzt. Aktuell werden sechs Lehrtafeln, welche die Zusammenhänge auf einen Blick sichtbar machen sollen, für die Lehrlingsausbildung fertiggestellt. Zurzeit wird gemeinsam mit der TU Wien und Donau Uni Krems intensiv an einem Konzept zur Integration in den Unterrichtsplan an Bauakademien und HTLs für die Ausbildungsschiene bis zum Baumeister gearbeitet. Zur Umsetzung der praxisnahen Ausbildung in den Unterricht ist die Einbindung von Lehrlingen, Vorarbeitern, Polieren, Meistern und Baumeistern sowie von Planern angedacht.

Gemeinsamer Auftritt transportiert Modernität und Innovation

Unter der Dachmarke "Beton" präsentiert eine Interessensgemeinschaft österreichischer Verbände und Hersteller der Zement- und Betonindustrie seit 2008 die zahlreichen Vorteile und die nachhaltige Anwendung des Baustoffes. Mit Emotion wird Beton in unterschiedlichen Lebensräumen erlebbar gemacht. Mittels Plakaten und Printanzeigen werden Begriffe wie Sicherheit, Gestalten und Wohlfühlen mit den Einsatzbereichen Sichtbeton, Fläche, Keller und Wohnraum/Energiespeicher in Verbindung gebracht. Die Trägerverbände der Dachmarke Beton sind der Güteverband Transportbeton, der Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke, die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie sowie das Forum Betonzusatzmittel.