VÖZ Logo
header betondesign 03

Concrete Student Trophy 2011

Urbane Gartenwege über die Neue Donau: "BEETon" und "Seerose" überzeugen mit Teamplaying

Eine schwimmende, barrierefreie Wegeverbindung über die Neue Donau war die Aufgabenstellung der sechsten "Concrete Student Trophy", des etablierten Architektur- und Konstruktionswettbewerbs, der als ein interdisziplinäres Kräftemessen für Studententeams, gebildet aus den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen, gilt. Im Rahmen der Preisverleihung am 17. November 2011 im Haus der Zementindustrie in Wien wurden zwei erste Preise an zwei Teams der TU Graz vergeben. Die Projekte "BEETon" und "Seerose" überzeugten die Jury durch hohe Innovationskraft und Einfallsreichtum. Die Aufgabenstellung war heuer sehr knifflig – denn verlangt waren mehrere Funktionen, vereint in einem Projekt: die ökologische Komponente, Barrierefreiheit wie auch der innovative Einsatz von Beton. "Hier sehen wir eine klare Entwicklung der Universitäten, eine Offenheit, aber auch den professionellen und selbstverständlichen Umgang mit dem ökologischen Werkstoff Beton", erklärt DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. Die Auslober der Concrete Student Trophy, ein Konsortium bestehend aus der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie und der Bauwirtschaft, vergaben insgesamt Preisgelder von 13.000 Euro. Im Zentrum der Aufgabenstellung stand eine attraktive, schwimmende und multifunktionale Brücke aus Beton mit integrierter Gastronomie als Verbindungsglied zwischen der Wiener Brigittenauer Bucht und der Donauinsel. Bewertet wurden der visuelle Gesamteindruck, der innovative Umgang mit Beton unter Einbeziehung der nachhaltigen Aspekte Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Zu den Beurteilungskriterien zählte aber auch die Präsentation der Wettbewerbsbeiträge.

Teamplaying von ArchitektInnen und BauingenieurInnen

Unter dem Vorsitz von Landschaftsarchitektin DI Anna Detzlhofer wählte eine hochkarätige Jury aus den eingereichten Projekten die PreisträgerInnen aus, die allesamt in ihrer Tiefe der Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung die Jury beeindruckten. Mehrmals betonten die Jurymitglieder die ausgezeichnete und fruchtbare Zusammenarbeit, das hohe Niveau der StudentInnenen, sowie die Bedeutung der Initiative Concrete Student Trophy für StudentInnen und ProfessorInnen. "Die Zeit ist vorbei, wo Architekten und Bauingenieure nicht zusammenarbeiten", so Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stefan Peters, TU Graz. "Es ist unverständlich, warum diese Disziplinen überhaupt noch getrennt unterrichtet werden. Denn Bauen bedeutet Teamplaying, es bedarf der Zusammenarbeit von Spezialisten in Planung und Ausführung."

Tolle Leistung – Preisgeld erhöht

Zwei Projekte jedoch hoben sich durch ihre hervorragende architektonische Idee sowie hohe Gestaltungsqualität besonders hervor und konnten die Jury überzeugen – das Projekt "Seerose" und das Projekt "BEETon" gingen aus dem Wettbewerb als Ex-Aequo-Sieger hervor. Weiters wurden zwei Projekte mit dem dritten Platz ausgezeichnet und eine Anerkennung vergeben. Die Jury beschloss nach der Präsentation der einzelnen Ideen, das Preisgeld um 1.000 Euro zu erhöhen, wodurch die beiden ersten Preisträger je 4.000 Euro erhielten, die beiden Dritt-Platzierten je 2.000 Euro und für die Anerkennung 1.000 Euro überreicht werden konnten.

Siegerprojekt BEETon – Grünes Paradies mit Selbstbewässerung

Eine gelungene Einbindung der Brücke in die Landschaft gelang dem Team Jaco Trebo, Ingo Feichter, Manuel Margesin von der TU Graz, die damit ein harmonisches Gesamtbild und einen realistischen Ansatz für die Gestaltung einer Grünbrücke erzeugen. Univ.-Prof. Stefan Peters, Jurymitglied, erklärt dazu: "Die angemessene Tragwerkslösung einer klassischen Pontonbrücke, also einer schwimmenden Brücke, mit einem durchgängigen Gehweg aus UHPC-Beton ist großzügig umgesetzt – das hat uns und speziell mir als Bauingenieur gefallen." Die Brücke mit angedockten Grünzonen, die ineinander verschlungen wirken, lässt für Überquerende und Verweilende gleichsam ausreichend Raum und bietet eine hohe Aufenthaltsqualität am Wasser. Überzeugend für die Jury wirkte auch das innovative, nachhaltige Konzept zur Selbstbewässerung.

Für Ingo Feichter, der den Preis für die gelungene Arbeit allein entgegennehmen durfte, war die Zusammenarbeit mit den beiden Teamkollegen aus der Fachrichtung Architektur sehr fruchtbar: "Zwar hatten wir zu Beginn ein paar Schwierigkeiten – unser Projekt hat sich in die falsche Richtung entwickelt – aber nachdem wir uns nochmal zusammengesetzt und -gerauft hatten, ist dieses tolle Projekt entstanden." Als Bauingenieur war Feichter in diesem Bewerb doppelt engagiert und hat sowohl am Siegerprojekt BEETon als auch am Projekt Dreieck zum Quadrat erfolgreich mitgearbeitet. Franz Forstlechner, Betreuer des Siegerteams an der TU Graz, sieht den Erfolg von BEETon besonders in der gelungenen fachlichen Interaktion: "Erst durch die Zusammenarbeit von Architektur und Bauingenieurwesen ist es ein Siegerprojekt geworden."

Siegerprojekt "Seerose" – Blättermeer mit Mehrwert

Das zweite Siegerteam - Julian Gatterer, Jürgen Holl, Christian Fischer, ebenfalls Studenten an der TU Graz - entwickelte eine reizvolle Wegeführung in drei schmalen, ineinander laufenden Wegen, die von Skatern, Fußgängern, Radfahrern und behinderten Personen genutzt werden können. Mit dem hell gestalteten Weg zwischen schwimmenden Grünflächen wirkt die Brücke wie ein Teppich aus Seerosen, der die beiden Ufer über die Neue Donau miteinander verbindet. Die einzelnen Pontons stehen für unterschiedlichste Funktionen zur Verfügung und bieten damit zusätzliche Flächen für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Das Projekt überzeugt aber auch durch die durchdachten technischen Eigenschaften, wie etwa den Umgang mit einer Hochwassersituation. Die Brücke kann aus fabrikmäßig hergestellten Betonfertigteilen im Uferbereich zusammengebaut werden und könnte gut realisiert werden. "Beeindruckend war für uns vor allem die Poetik des Projekts", unterstreicht die Juryvorsitzende DI Anna Detzlhofer. "Ich wusste nicht, dass Beton so geschmeidig und poetisch sein kann."

Die Studenten schöpfen großen Erfahrungswert aus diesem gemeinsamen Projekt. "Ich habe mir nicht gedacht, dass wir ein so anmutendes Projekt schaffen würden", meint der Architekturstudent Julian Gatterer und zeigt sich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. "Ohne unseren Bauingenieur hätten wir das Projekt aber nie geschafft", ergänzt Jürgen Holl. Christian Fischer aus der Fachrichtung Bauingenieurwesen ist aber überzeugt, dass das Projekt nur aufgrund dieser Zusammenarbeit entstehen konnte.

Bei nahezu allen Projekten wurde die realistische Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe deutlich: "Das hohe Niveau der Studenten hat uns beeindruckt – da gibt es zwar futuristische Ideen, aber immer mit dem Anspruch, dass diese auch gebaut werden können", zeigt sich Friembichler begeistert. Nicht minder überzeugt ist auch Franz Forstlechner vom Wettbewerb: "Die Concrete Student Trophy hat sich zu einem Fixpunkt im Studienjahr der TU Graz etabliert."

Zweimal dritter Preis - außergewöhnliche Schwimmobjekte "Urban Shells" und "Curve Connect"

"Urban Shells" heißt das Projekt von Jürgen Schretzmayer, Thomas Pachner und Benjamin Kromoser von der TU Wien, das einen völlig neuartigen Beton-Schwimmkörper darstellt, der auch in einer Hochwassersituation durchaus seine Qualitäten ins Spiel bringt. Im Planungsansatz überaus innovativ, erlangte die mit heutigen Methoden zwar beschreibbare, jedoch in Hinblick auf Umsetzung noch nicht ausreichend ausgereifte Idee den dritten Platz. "Wir waren begeistert von diesem faszinierend innovativen Entwurf", erklärt Jurymitglied DI Gerhard Sochatzy, Magistrat der Stadt Wien, MA 29 – Brückenbau und Grundbau.

Stabiles Schwimmen und formoptimierte Proportionen sind die klaren Stärken des Projektes, das insgesamt aus sieben Schwimmkörpern besteht und einen seriellen Ansatz für eine breite Nutzbarkeit anbietet. Der hohe Gestaltungsspielraum führte jedoch bei der Jury zu vielen Fragen, die zwar von den Einreichern schlüssig argumentiert wurden, letztlich blieben jedoch offene Diskussionspunkte. Ebenso wurde in der Verbindung der einzelnen Schwimmbrückenteile in Form einer Dreipunktlagerung Verbesserungspotential gesehen. "Die Koppelung durch eine Anhängerkupplung ist kupplungstechnisch nachhaltig gelöst, jedoch kräftemäßig (Wind, Strömung) nicht zu Ende gedacht“, heißt es im Juryprotokoll. Das Team "Urban Shells" äußert sich über die Zusammenarbeit sehr positiv: "Besonders gefallen hat uns, dass von Anfang bis zum Ende alles gemeinsam gemacht wurde."

Mit "Curve Connect" landete das Team Nargjil Saipi, Justus Wünsche und Georg Brandstätter von der TU Wien ebenso auf dem dritten Platz. Formal sehr gelungen und im urbanen Kontext sehr ausgewogen versetzt die großformatige Schwimmkonstruktion die Landschaft in eine gewisse Dynamik. Einerseits durchdacht als solides Brückentragwerk, findet das Projekt andererseits nicht den richtigen Übergang zwischen städtebaulichem Instrument und sensibler natürlicher Umwelt. Außerdem wurde die Infrastruktur aus rationellen Gründen auf die Halbinsel verlegt, sodass damit nur die halbe Brücke für weitere Funktionen bespielbar ausgestaltet werden kann, etwa in der Nutzbarkeit als Badeplatz oder zum Verweilen. Jurymitglied DI Dr. Wilhelm Reismann: "Ihr seid Spezialisten der Purität – ein ganz einfacher, ganz eleganter Entwurf." Georg Brandstätter, Student aus der Fachrichtung Bauingenieurwesen, meint rückblickend: "Generell habe ich die Zusammenarbeit mit den Architekten sehr genossen und war positiv überrascht."

Anerkennung - Dreieck zum Quadrat

Ein weiteres Team der TU Graz - Martin Zimmermann, Reinhard Löckler, Mario Benkovic und Ingo Feichter – hat mit seinem Projekt "Dreieck zum Quadrat" Mut bewiesen und einen Anerkennungspreis erhalten. Die Idee der Eisberge als eine modulare Struktur für vielseitige Nutzungen bietet ein breites Wegenetz, das in Dreiecke und Quadrate in unterschiedlicher Anordnung aufgelöst ist. Der intelligente, modulare Aufbau der Konstruktion eignet sich perfekt für die Einbindung in die Landschaft, die auch weiter in die Uferbereiche ausgedehnt werden könnte. "Die undifferenzierte Ausbildung der Oberflächen schwächt jedoch das Projekt. Die gebildeten Binnenwasserzonen sind nicht ausreichend erreichbar. Das Nutzungspotential dieser Konstruktion ist nicht wirklich ausgeschöpft", so das Juryurteil. Gerade die Kleinteiligkeit – es wird ein Raster von vier Meter über die Neue Donau gelegt – ist für die Handhabung im Hochwasserfall zu aufwändig anzusehen. Die sehr gute Tangram-artige Veränderbarkeit der Gesamtstruktur ist hinsichtlich Wartung der Vielzahl der Module noch verbesserungsfähig.

Mutige Ideen der Studenten gehören belohnt

Die Concrete Student Trophy steht von Beginn an ganz im Zeichen hoher architektonischer Ansprüche und konstruktiver Kreativität, wobei der ökologische Aspekt einen wesentlichen Teil der Erfolgskriterien darstellt. Der Anspruch des Wettbewerbs, interdisziplinär zu arbeiten, sorgt für eine reale Situation, die den Studenten einen guten Einblick in ihr späteres Arbeitsleben gibt. "Uns ist auch wichtig, dass die Projekte zwar mutig und innovativ, aber dennoch realisierbar sind. Das waren im Großen und Ganzen alle bewerteten Projekte. Mich freut es besonders, dass wir die Studenten offensichtlich motivieren können, schon während des Studiums über den Tellerrand hinaus zu denken und dazu nach ihrem planerischen Gefühl loszulegen – die Ergebnisse zeigen das hohe Niveau der Einreicher", freut sich Friembichler.

Die Jury: DI Anna Detzlhofer, Büro für Landschaftsarchitektur; Oberstadtbaurat Senatsrat DI Gerald Loew, Magistrat der Stadt Wien, MA 45 – Wiener Gewässer; Univ.-Prof. Dr.-Ing. Stefan Petes, TU Graz, Institut für Tragwerksentwurf; DI Mario Rabitsch, STRABAG AG, Zentrale Technik Wien; DI Dr. Wilhelm Reismann, iC consulenten ZT GesmbH, Vizepräsident des Verbandes der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI); Senatsrat DI Gerhard Sochatzy, Magistrat der Stadt Wien, MA 29 – Brückenbau und Grundbau; DI Wolfgang Vasko, Vasko+Partner Ingenieure, Ziviltechniker für Bauwesen und Verfahrenstechnik GmbH; DI Dr. Bernd Wolschner, SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG, Klagenfurt, Präsident des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB)

Concrete Student Trophy – eine Erfolgsgeschichte

2006 war der Entwurf einer Sommer-Bar für das neu gestaltete Ortszentrum von Schwadorf an der Fischa unter Anwendung der Betonschalen-Technologie im Hochbau ausgeschrieben. 2007 die Gestaltung eines Vorprojekts einer Brücke für Rad- und Fußgänger über den Wienfluss, die realisiert und Ende Oktober 2010 feierlich eröffnet wurde. 2008 wurde die beste Idee für eine Autobahnraststätte im nachhaltigen Kontext ausgezeichnet. 2009 gab man sich einen interkulturellen Handshake über den Wienfluss in Form einer barrierefreien Fuß- und Radwegbrücke und 2010 wurde eine Aussichtsplattform für den Campus der TU Graz entworfen. Damit hat sich der Studenten-Award zu einer renommierten Trophäe entwickelt. "Wir sind überzeugt, dass wir damit die richtigen Signale an die angehenden Architekten und Bauingenieure setzen", sagt DI Felix Friembichler.