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Zement lebt nachvollziehbare Werte

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Nachhaltigkeitsbericht 2008/2009 erschienen

Was vor einem Jahr noch als Konjunkturabkühlung wahrgenommen wurde, hat sich in unserer global vernetzten Welt rasch zu einer veritablen Krise entwickelt. Wesentlich verantwortlich für das Entstehen war ein wirtschaftliches Denken und Handeln, das vom Streben nach möglichst schnellem Gewinn bestimmt war. Vor diesem Erfahrungshintergrund gewinnt der Begriff Nachhaltigkeit verstärkt an Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Wobei zu hoffen sei, "dass diese Aufmerksamkeit auch das Verständnis für den Hintergrund und den Inhalt dieses Begriffes fördert", so DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Der soeben erschienene Nachhaltigkeitsbericht 2008/2009 der Österreichischen Zementindustrie, der bereits dritte "Sustainability Report", trägt maßgeblich zu diesem Verständnis bei.

Nachhaltigkeit bedeutet für die Zementindustrie einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen, Mitarbeitern und ökonomischen Maßstäben, die es langfristig zu sichern und zu steigern gilt. Die heimischen Zementunternehmen sind an zwölf Standorten in Österreich vertreten und zählen europaweit zu den Vorreitern in den Bereichen Energie- und Ressourceneffizienz sowie Klima- und Umweltschutz und damit zu den "saubersten" Werken Europas. In den letzten Jahren gelang eine kontinuierliche Reduktion des spezifischen CO2-Ausstoßes je Tonne Zement, 2008 wurde eine neuerliche Verringerung erreicht. Auch die spezifischen Emissionen bei Staub, Schwefel- und Stickoxiden waren beispielhaft und konnten von 2007 auf 2008 nochmals reduziert werden.

Ein wichtiger Partner zur Erreichung umweltpolitischer Ziele

Die österreichische Zementindustrie steht im ständigen Austausch und Diskurs mit Politik, Wissenschaft, öffentlicher Verwaltung und Interessensvertretungen. Der VÖZ als Vertretung der Brancheninteressen geht es dabei darum, die Leistungen der Zementindustrie umfassend darzustellen sowie auf innovative Produktentwicklungen und -anwendungen aufmerksam zu machen. Damit ist die Zementindustrie in Österreich auch ein wichtiger Partner zur Erreichung umweltpolitischer Ziele. So wurden im Jahr 2008 mit ihrer Umweltinitiative und innovativen Pilotprojekten richtungsweisende Schritte gesetzt. "Für die Zementindustrie umfasst Nachhaltigkeit über die Bereiche Ökonomie und Ökologie hinaus auch den partnerschaftlichen Umgang und offenen Dialog mit Mitarbeitern, Lieferanten und Anrainern. Es geht uns um fairen Wettbewerb anstatt rücksichtslosem Konkurrenzdenken", erläutert Felix Friembichler.

Intensive Forschung der Zementindustrie für den Klimaschutz

Die Reduktion von Energieverbrauch und Emissionen bei der Produktion sowie die innovative Weiterentwicklung der Produkte stehen im Mittelpunkt der Forschungsprojekte der österreichischen Zementindustrie. Ein aktuell durchgeführtes Projekt untersucht, wie ein neuer Zement zusammengesetzt sein muss, um bei geringerem CO2-Anfall produziert werden zu können und gleichzeitig alle mörteltechnischen Anforderungen gemäß Zementnorm und Beständigkeitsanforderungen zu erfüllen. Ziel des Projektes ist ein etwa zehn Prozent geringerer CO2-Ausstoß bei der Herstellung des Zements. Derzeit emittiert die österreichische Zementindustrie rund 3 Millionen Tonnen CO2, das Einsparungspotential liegt bei etwa 300.000 Tonnen CO2. Ein zweites Forschungsprojekt zielt darauf ab, vorhandene Energieeinsparpotenziale der Zementindustrie zu identifizieren und etwaige Nutzungsmöglichkeiten überschüssiger Energien aufzuzeigen. So soll bisher ungenutzte thermische Energie einer weiteren Verwendung sowohl im eigenen Bereich als auch durch Dritte zugeführt werden. Weiters hat die heimische Zementindustrie mit dem Lebens- und dem Wirtschaftsministerium im April 2009 eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Reduktion der Stickoxide (NOx) abgeschlossen. Teil dieser Vereinbarung ist die Durchführung eines Forschungsprojektes im Bereich der SCR-Technologie (Katalysatortechnologie), die beispielsweise in Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen seit längerem Stand der Technik ist. Für einen erfolgreichen Einsatz in der Zementindustrie müssen jedoch spezielle Katalysatoren für die Anlagen entwickelt werden. Durch die Anwendung dieser Technologie auch in Zementwerken sollen die Emissionen von Stickoxiden aus der bei der Zementherstellung entstehenden Abluft von derzeit 500 Milligramm auf bis zu 200 Milligramm pro Normkubikmeter gesenkt werden. Ökologisches und wirtschaftlich nachhaltiges Bauen mit Beton Von den über fünf Millionen Tonnen hochqualitativer Zementprodukte, die die österreichische Zementindustrie produziert, werden mehr als 95 Prozent am heimischen Markt abgesetzt. Je nach Anforderungen wie Brand- und Frostbeständigkeit, Festigkeitsentwicklungen und Wärmeleiteigenschaften kommen spezielle Arten von High-Tech-Zementen zum Einsatz. Durch innovative Weiterentwicklung der Zemente konnte etwa die Druckfestigkeit von Beton massiv gesteigert werden. Mit hochfesten Betonen können Bauteile mit deutlich geringeren Querschnittsabmessungen ausgeführt werden. Dies erhöht wiederum die Ressourcenproduktivität und bietet im Hochbau einen Zugewinn an Nutzfläche. Vor dem Hintergrund einer verstärkten Konzentration auf den Klimaschutz gewinnt auch die Nutzung von Beton als massive thermische Speichermasse sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen zunehmend an Bedeutung. Mit diesen Entwicklungen trägt die Zementindustrie gemeinsam mit der Wissenschaft maßgeblich dazu bei, Ökologie und nachhaltiges Wirtschaften in der Bauwirtschaft immer stärker zu verankern.

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Jahr 2008 produzierte die österreichische Zementindustrie 5,3 Millionen Tonnen Zement und erwirtschaftete einen Umsatz von 457 Millionen Euro. Anlageinvestitionen wurden im Ausmaß von rund 40 Millionen Euro getätigt, davon rund 13 Millionen für Umweltschutzmaßnahmen. Aufgrund der von der aktuellen Krise gekennzeichneten Wirtschaftslage und deren negativen Auswirkungen auf die Bauwirtschaft konnte im ersten Quartal 2009 deutlich weniger Zement als im gleichen Zeitraum des Vorjahres abgesetzt werden. Nur vorsichtig hoffen lässt die von der Regierung angekündigte Infrastrukturoffensive, die Ausbauprojekte für die Schiene, Bahnhöfe, Autobahnen und Schnellstraßen vorsieht.

Kritikpunkt Emissionshandel

Zu diesen schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gesellt sich die ungewisse Entwicklung am CO₂-Zertifikatemarkt. Denn im Gegensatz zu den vielen Branchen, die ausreichend Zertifikate bis zum Jahr 2013 zugeteilt bekommen haben, ist die österreichische Zementindustrie mit Zertifikaten für diesen Zeitraum unterversorgt. Im nun vorliegenden Nachhaltigkeitsbericht 2008/09 wird nachdrücklich auf diese Problematik hingewiesen, die auch über das Jahr 2013 hinaus wirksam bleibt. Die österreichische Zementindustrie fordert in diesem Zusammenhang ein System, das zu einer effektiven Reduktion der Treibhausgase führt, ohne die marktwirtschaftlichen Prinzipien eines fairen Wettbewerbs zu unterminieren.