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Jahresbilanz 2008 und Ausblick

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 Österreichs Zementindustrie geht mit gedämpften Erwartungen in das zweite Halbjahr 2009. "Die Wirtschaftskrise hat zu einem Stopp der positiven Trends der Baubranche geführt", erklärte Mag. Rudolf Zrost, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie und Geschäftsführer der Leube-Gruppe anlässlich der Jahrespressekonferenz der Zementindustrie. Gleichzeitig sieht sich die Zementindustrie mit steigenden Kosten für den Ankauf von Emissionszertifikaten und der Gefahr zunehmender Auslandskonkurrenz aus Ländern, die nicht dem EU-Klimaregime unterliegen, konfrontiert. Die positiven Ergebnisse des Jahres 2008 mit einem Wachstum der heimischen Zementproduktion (inkl. Mahlwerke) von plus 2,1 Prozent auf 6 Millionen Tonnen werden auf mittlere Frist keine Fortsetzung finden. Die Exporte lagen bei 433.000t nach 346.700 t 2007 und die Importe betrugen 788.000t nach 690.000t in 2007. Die Zahl der Beschäftigten in der Zementindustrie lag bei 1.221 Personen. Zrost: "Derzeit sind Nachfrage und Beschäftigung im Baubereich noch gut, viele der für die nächsten Jahre geplanten Projekte befinden sich allerdings noch in Prüf- oder Genehmigungsverfahren." Auch auf die Bauwirtschaft werden die Auswirkungen der Krise nun spürbar. Nachdem die Wertschöpfung der Bauwirtschaft im vierten Quartal 2008 um einen halben Prozentpunkt zurückgegangen ist, zeichnet sich für 2009 ein weiterer Rückgang ab.

Wirtschaftskrise stoppt positiven Trend

Die Zementindustrie rechnet daher schon heuer mit einem Produktionsrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich und noch stärkeren Einbußen für 2010, falls die Konjunkturpakete zum Infrastrukturausbau nicht rechtzeitig greifen. Zrost: "Viele große Projekte laufen aus und noch ist keine Fortsetzung in Sicht. Wenn uns hier kein rascher Start gelingt, wird der ganze Bausektor trotz großen Investitionsbedarfs eine Krise erleben." Dazu, so Zrost weiter, komme eine veraltete Bausubstanz der in der Nachkriegszeit errichteten Wohnbauten, die dringend, in Bezug auf eine Sanierung, evaluiert werden muss. Eine schnell wirksame Maßnahme mit vielen Folgeeffekten, sonst drohe ein Beschäftigungsverlust im zweistelligen Prozent-Bereich. Zur Umsetzung der Sanierung oder des Neubaus bedürfe es aber der - zur Zeit fehlenden - Rechtssicherheit und entsprechender Förderungen. Die mit dem zuletzt entwickelten Konjunkturpaket geförderte Wärmedämmung trage zur Energieeinsparung und zum Erreichen des Kyotoziels bei. Schlechte Bausubstanz könne damit allerdings nicht saniert werden. Die nationalen Konjunkturmaßnahmen könnten die Krise lediglich abmildern, aber nicht ausgleichen, erwartet Zrost.

11 Millionen Euro zusätzliche CO2-Kosten

Parallel zum erwarteten Absatzrückgang wächst in der österreichischen Zementindustrie die Sorge um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Zrost: "Der Rückgang der Konjunktur liegt in enger zeitlicher Nachbarschaft zu den Maßnahmen für den Klimaschutz, die bisher zu wenig Rücksicht auf die Situation der Zementindustrie genommen haben." Die Herstellung von Zement ist energieintensiv und produziert Kohlendioxid – in Österreich etwa 3,5 Prozent der Gesamtemissionen. Schon zuletzt war die Zementindustrie als eine der wenigen in der österreichischen Industriebranche mit deutlich zu wenigen Emissionszertifikaten ausgestattet. "Wenn bei der Zertifikatezuteilung keine neue Lösung gefunden wird, müssen wir die Produktion entsprechend reduzieren oder Betriebe zusperren", so Zrost. 2008 fehlten der Branche bereits CO2-Zertifikate für insgesamt 435.000 Tonnen, das entspricht 16 Prozent der benötigten Menge. Allein die Kosten für den Zukauf dieser Zertifikate lagen im Jahresschnitt bei 25 Euro pro Tonne und summierten sich auf etwa 11 Millionen Euro. Kritik übte Zrost auch am aktuellen Zuteilungsregime (2008-2012) der Zertifikate, das nicht auf die Marktentwicklungen abgestimmt ist.

Damoklesschwert Emissionshandel – neuer Modus gefordert

Ab 2013 beginnt ein neues Zeitalter für den Emissionshandel. Die Zertifikate werden in Zukunft direkt von der EU-Kommission auf Basis eines produktbezogenen Benchmark-Systems zugeteilt. Zrost: "Es besteht die Hoffung, dass damit nationale Interessen zurückgedrängt werden, denn es soll einem Unternehmen, das gleiche Produkte erzeugt, auch ein vergleichbarer Emissionswert zugeteilt werden." Der Durchschnitt der besten zehn Prozent aller Betriebe bildet die von der Industrie lang geforderte und künftig eingesetzte sogenannte Benchmark. Diese definiert wie viel CO2 pro Tonne Zementklinker zugestanden wird. Jedoch orientiert sich die Zuteilungsmenge der Zertifikate an den Produktionsdaten der Vergangenheit, einem Dreijahres–Mittelwert aus 2005 bis 2010. Das aktuell in Verhandlung befindliche System des Emissionshandels sieht Zrost damit als "wettbewerbsverzerrendes Instrument der Planwirtschaft". Die Zementindustrie fordert daher längerfristig gültige Branchenziele und eine Zuteilung, die einen dynamischen Markt berücksichtigt. Gefordert wird zudem ein System zum Schutz vor Importen aus Ländern ohne Klimaschutzvorgaben ("level playing field"), das weltweit gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer definiert. Zrost: "Wenn Transportkosten aus dem Nahen Osten günstiger sind, als die Kosten der Zertifikate, sind die europäischen Werke nicht mehr wettbewerbsfähig." In Europa wurden 2008 bereits 20 Werke entweder zur Gänze oder temporär geschlossen.

Zementindustrie stärkt regionale Wirtschaft mit über 9.000 Jobs

Für die nationale und regionale Wirtschaftsentwicklung Österreichs ist die Erhaltung einer wettbewerbsfähigen und wirtschaftlich starken Zementindustrie von entscheidender Bedeutung. Ein Euro Wertschöpfung an den österreichischen Zementstandorten mit ihren knapp 1.800 MitarbeiterInnen im Jahr 2007 bewirkte unmittelbar und mittelbar weitere 4,3 Euro Wertschöpfung im In- und Ausland. Das ergab eine wissenschaftliche Analyse der Bedeutung der österreichischen Zementindustrie als Impulsgeber für die Standortregionen. Mit umfasst wurden neben der Zementerzeugung auch Grund- und Spezialprodukte wie Kalk, Putz, Mörtel, Gips etc., die von einigen Standorten der Zementindustrie produziert werden. DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der VÖZ: "Die Zementindustrie sichert in den österreichischen Regionen tausende Arbeitsplätze. Ein Beschäftigter unserer Industrie erschließt vier weitere und damit in Summe etwa 9.000 Arbeitsplätze."

Wertschöpfung bleibt in Österreich - aus einem Euro werden 3,8 Euro

Rund zwei Drittel der Wertschöpfungs-, Produktions- und Beschäftigungseffekte fallen im jeweiligen Standortbundesland an. Ein Euro Wertschöpfung in der Zementindustrie generiert allein in Österreich zusätzliche 2,8 Euro. Mit einem Kommunalsteueraufkommen von 3,2 Millionen Euro stärkt die Zementindustrie zudem maßgeblich die Handlungsfähigkeit kleiner Gemeinden und Städte im ländlichen Raum. Die österreichische Zementindustrie operiert an zwölf Werksstandorten, betrieben von neun Unternehmen. 77 Prozent der Beschäftigten wohnen im Standortbezirk des jeweiligen Werkes, 95 Prozent im Standortbundesland. Der durchschnittliche Transportradius der Produkte beträgt 76 km.

Investitionen für Umweltschutz im Mittelpunkt

Mit einer Steigerung der Investitionen in Umweltschutzmaßnahmen um 41,4 Prozent auf 12,8 Millionen Euro hat die österreichische Zementindustrie 2008 erneut ihr Engagement für eine saubere Umwelt unter Beweis gestellt. Der Anteil der Aufwendungen für Umweltmaßnahmen an der Bruttowertschöpfung erhöhte sich von 3,7 auf 6,5 Prozent. Friembichler: "Damit ist es uns erneut gelungen, die Umweltstandards zu verbessern und das zahlt sich sowohl für die Umwelt als auch für die gesamte Branche aus." Die spezifischen CO2-Emissionen je Tonne Zement erreichten 2008 einen historischen Tiefstwert von 607 kg und waren damit um 12 Prozent niedriger als vor zehn Jahren. Auch bei anderen Emissionsparametern erreichte die Zementindustrie 2008 erneut signifikante Verbesserungen. Der Einsatz von Alternativrohstoffen konnte binnen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt werden.

Entscheidende Entlastung für CO2-Bilanz

Der Ersatz von fossilen Brennstoffen durch Alternativbrennstoffe konnte kontinuierlich gesteigert werden und erreichte im Jahr 2008 mit 50 Prozent seinen bisherigen Höchstwert. Friembichler: "So wird nicht nur der Verbrauch aus Kohle und Öl eingespart, sondern der Abfall einer hochwertigen Verwertung zugeführt. Damit entlastet die Zementindustrie die österreichische CO2-Bilanz im Sektor Abfallwirtschaft entscheidend."

Forschungsoffensive für effizienten Energieeinsatz

Energieeffizienz und Verbesserungen beim Umweltschutz stehen im Zentrum wichtiger Forschungsvorhaben der österreichischen Zementindustrie. Durch eine Optimierung der Bestandteile von Zement können in Zukunft weitere Reduzierungen der CO2-Emissionen bewirkt werden, obwohl im Bereich der Verfahrenstechnik keine weiteren Einsparungen in relevanter Höhe mehr zu erwarten sind. Derzeit laufen umfangreiche Betonversuche für "Neue Zemente". Bei einem positiven Abschluss der Testreihen ist in zwei bis drei Jahren mit der Markteinführung zu rechnen. Die Absenkung der CO2-Emissionen durch die neuen Zementsorten liegt voraussichtlich zwischen fünf und zehn Prozent. Friembichler: "Wir sehen ein Einsparungspotential für die Zementindustrie ab Markteinführung von rund 300.000 Tonnen CO2. Die Kosten dieses Forschungsprojektes liegen bei etwa zwei Millionen Euro pro Jahr. Die Markteinführung und Umsetzung bedarf dann einer weiteren, größeren Investition." Die österreichische Zementindustrie hat mit dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Absenkung der Stickoxid-Emissionen (NOx) vereinbart. Bis 2012 soll der aktuelle Wert von 500 auf 395 Milligramm pro Normkubikmeter Abluft reduziert werden. Das Forschungsprojekt im Bereich der Selective Catalytic Reduction (SCR)-Technologie untersucht die Möglichkeiten der Absenkung bis zu 200 Milligramm. In Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen ist eine derartige Katalysatortechnologie bereits seit längerem im Einsatz und hat sich dort bewährt. Im Rahmen des SCR-Projekts sollen nun spezielle Katalysatoren für die spezifischen Prozessbedingungen der Zementanlagen entwickelt werden. Der Investitionsumfang für die Erforschung der SCR-Technologie beträgt zwischen 12 und 15 Millionen Euro, erste Ergebnisse des Projekts sollten ab 2013 vorliegen. Parallel dazu wird derzeit an allen österreichischen Standorten eine umfangreiche Erhebung der Energieeffizienz für die Bereiche thermische Energie, elektrische Energie und Effizienz der Druckluftversorgung durchgeführt. Diese soll neue Ansatzpunkte für weitere Energieeinsparungen ermitteln.