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Concrete Student Trophy 2009 - Aufgabenstellung

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Interdisziplinärer Brückenschlag über Wienfluss

Die Concrete Student Trophy, Österreichs erster Bau- und Architekturwettbewerb, der konkret auf interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Bautechnik und Architektur setzt, wird 2009 bereits zum vierten Mal ausgeschrieben. Damit wird von den studierenden Architekten und Bauingenieuren ein gemeinsames Bauen für einen menschengerechten Lebensraum innerhalb eines modernen, städtischen Verkehrswegekonzepts gefordert. Nach der vorjährigen Aufgabe des Entwurfs einer Autobahn-Raststätte mit Siegerteams der TU Graz und TU Wien gilt es heuer, in interdisziplinären Arbeiten eine barrierefreie Fuß- und Radwegbrücke über den Wienfluss zu entwerfen. Einreichschluss für die Ergebnisse aus dieser fachübergreifenden Zusammenarbeit von Technik und Architektur ist der 9. Oktober 2009.

Ausgeschrieben ist der Vorentwurf einer klappbaren Fuß- und Radwegbrücke in Betonbauweise über den Wienfluss bei der Urania im 1. Wiener Gemeindebezirk. Die Brücke ist flussab der Radetzkybrücke im Bereich der Mündung in den Donaukanal vorgesehen und wird den Vorkai bei der Urania mit dem Hermannpark im 3. Bezirk verbinden. Das Projekt ist für die Studierenden in zweierlei Hinsicht eine besondere Herausforderung. Zum einen weist an der geplanten Stelle der sonst rund 30 Meter breite Wienfluss bereits eine Mündungsbreite von 60 Metern auf, was eine dementsprechend große Brückenspannweite erfordert. Bei dieser Spannweite stellt die Kombination "klappbar" und "Ausführung in Beton" besonders hohe Planungsansprüche hinsichtlich des (nicht zu hohen) Gewichts der Brücke. Klappbar muss sie sein, weil der Schnellkatamaran Twin City Liner, der mehrmals am Tag auf der Donau zwischen Wien Schwedenplatz und Bratislava verkehrt, nicht im Donaukanal wenden kann, sondern für sein Wendemanöver den Einmündungsbereich vom Wienfluss benötigt. Dazu wird die Brücke, versehen mit entsprechenden Signalanlagen und Schranken, mehrmals am Tag hochgeklappt. Diese Art von Brücken kommt im Schifffahrtswegebau häufig vor, wo gelegentlich höhere Durchfahrtshöhen erforderlich sind. Üblicherweise sind Klappbrücken Stahlkonstruktionen.
Die Stadt der Brücken ist Amsterdam. Zu den derzeit über 1.500 Brücken im "Venedig des Nordens" zählen auch zahlreiche Klappbrücken mit dem typischen hoch angebrachten Gegengewicht, wie sie etwa van Gogh in einigen Bildern verewigt hat. Die charakteristischen holländischen Klappbrücken gibt es aus allen Zeitabschnitten. Während bei den frühesten Exemplaren Holz der hauptsächlich verwendete Baustoff war, waren in späteren Zeiten eiserne, aber auch Beton-Klappbrücken verbreitet.

Praxis sammeln für den Umgang mit dem Denkmalschutz

Gerade Wien mit seinen vielen historischen Bauten braucht Architekten und Ingenieure, die mit dieser baulichen Vergangenheit und dem damit verbundenen Denkmalschutz gut umgehen können. Eine große Herausforderung dieses Wettbewerbes ist nun, dass sich die Brücke an der vorgesehenen Stelle ins stadthistorische Bild einfügen und daher – wie zu allen Bauwerken, die dort gebaut werden – auch die Zustimmung des  Bundesdenkmalamtes erforderlich ist. So ist ein Tragwerk zu entwickeln, das den umliegenden historischen und unter Denkmalschutz stehenden Objekten wie Urania, Radetzkybrücke und Zollamtsteg Rechnung trägt. Vor allem die enge "Nachbarschaft" des Wettbewerbsprojektes zur Radetzkybrücke, einer über 100 Jahre alten Stahlkonstruktion mit kunstvollen Ornamenten, stellt hohe Ansprüche an die Gestaltungssensibilität der Studierenden.

Bauen mit Beton für den Umwelt- und Klimaschutz

Das Projekt der Concrete Student Trophy 2009 ist aber auch ein Paradebeispiel für einen architektonischen und bautechnischen Beitrag zu einem menschengerechten städtischen Lebensraum. Derzeit ist eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer an dieser Stelle nur über Stiegen und Rampen an beiden Ufern des Wienflusses und die Radetzkybrücke gegeben. "Nach Fertigstellung der neuen Brücke müssen die Radfahrer nicht mehr die acht Höhenmeter überwinden, ersparen sich die verkehrsbelastete Radetzkybrücke, können neben dem Donaukanal bleiben und die Ruhe und das Wasser genießen", so DI Dr.-Ing. Johann Kollegger, Professor an der TU Wien und Mitglied der hochkarätig besetzten Jury.
Die Stadt Wien verfolgt das Ziel, den Radverkehrsanteil zu steigern und die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer weiter auszubauen. Der Wiener "Masterplan Verkehr", ein umfassendes und zukunftsweisendes Verkehrskonzept bis 2023 und das Konzept "Hauptradwegenetz" geben Lückenschlüsse, Ertüchtigungen und eine eigenständige Wegeführung vor. So ist laut Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung und Verkehr geplant, den Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in Wien von sechs Prozent im Jahr 2006 bis 2010 auf acht Prozent zu erhöhen.

Neue Baugeneration setzt auf interdisziplinäre Leistungen

Für DI Felix Friembichler, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, ist bei der Concrete Student Trophy 2009 naturgemäß die optimale Nutzung der vielfältigen Eigenschaften und Anpassungsmöglichkeiten des Baustoffs Beton besonders wichtig. "Der visuelle Gesamteindruck der Wienflussmündung mit dem tiefen Mauerprofil, den dahinter liegenden Brücken und Stegen soll möglichst wenig gestört werden und die offene Wasserfläche möglichst erhalten bleiben", so Friembichler. Er sieht diese Aufgabe als "ein hervorragendes Instrument, die interdisziplinären Leistungen einer neuen Generation von Architekten und Ingenieuren zu demonstrieren." Auch Univ.-Prof. Christoph Achammer von der TU Wien ist von der absoluten Notwendigkeit dieser fachübergreifenden Zusammenarbeit überzeugt. Achammer unterstützt die Durchführung der Concrete Student Trophy nunmehr zum vierten Mal.

Der Wienfluss – damals und heute

Der Wienfluss entspringt im westlichen Wienerwald und legt bis zu seiner Mündung in den Donaukanal bei der Urania eine Gewässerstrecke von 34 Kilometern zurück. Etwa ab dem Jahre 1100 siedelten sich viele kleine Mühlenbetriebe und Holz verarbeitende Betriebe entlang des Wienflusses an. Ab 1895 ließ der damalige Oberbaurat Otto Wagner den Wienfluss regulieren, um Hochwässer zu kanalisieren, sodass der Fluss im Stadtgebiet von Wien fast durchwegs in einem tiefen Betonbett verläuft. Für städtisches Abwasser wurden beidseitig des kanalisierten Flusses Sammelkanäle gebaut, die sog. Cholerakanäle, die aber Überläufe ins Flussbett haben. 15 Kilometer der Flussstrecke liegen in Wiener Stadtgebiet. Von Naschmarkt-Nähe bis zum Stadtpark verläuft unter dem Wienfluss der 2006 eröffnete Wiental Kanal, der mit einem Durchmesser von 7,5 Metern zur Entlastung bei Überschwemmungen dient und die Wasserqualität des Wienflusses verbessert. Neben der Donau und der Liesing zählt der Wienfluss zu den Hauptlinien der Entwässerung im Stadtgebiet.

Der Wettbewerb und seine Träger

Die Concrete Student Trophy wird für herausragende Seminararbeiten, Projektarbeiten und Entwürfe vergeben, bei deren Gestaltung und Konstruktion dem Werkstoff Beton eine wesentliche Rolle zukommt. Der Wettbewerb ist zweistufig angelegt. Eingereicht werden können 2009 ausschließlich in Teamarbeit ausgeführte interdisziplinäre Seminararbeiten, Projektarbeiten bzw. Entwürfe, die der Themenstellung entsprechen. Die Arbeiten müssen im Rahmen einer Lehrveranstaltung abgegeben und für das Studium positiv bewertet bzw. benotet worden sein.
Getragen wird der Wettbewerb durch ein Konsortium, bestehend aus der Alpine Bau GmbH, der PORR GesmbH und der Strabag AG, der Stadt Wien, MA 29 – Brückenbau und Grundbau, dem Verband der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI), dem Verband Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) und der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), unter der fachlichen Begleitung der TU Wien und der TU Graz. Die Concrete Student Trophy 2009 ist mit insgesamt 12.000 Euro dotiert.

Jury
Bmst. Ing. Karl GRUBER, ALPINE Bau GmbH
O.Univ.-Prof. DI Dr.-Ing. Johann KOLLEGGER, TU Wien, Institut für Tragkonstruktionen
Univ-.Prof. Mag.arch. Elsa PROCHAZKA, Elsa prochazka – architekturbüro, Wien
DI Dr. Wilhelm Andreas REISMANN, iC consulenten ZT GesmbH, Präsident des Verbandes der Ziviltechniker- und Ingenieurbetriebe (VZI)
O.Univ.-Prof. DI Dr. Lutz SPAROWITZ, TU-Graz, Institut für Betonbau
Senatsrat DI Eduard WINTER, MA 29 – Brückenbau und Grundbau
DI Dr. Bernd WOLSCHNER, SW Umwelttechnik Stoiser & Wolschner AG, Präsident des Verbandes Österr. Beton- und Fertigteilwerke (VÖB)

Die Jury tritt am 28. Oktober 2009 zusammen und bestimmt aus den eingereichten Arbeiten die besten Projekte (maximal 10) gemäß den Beurteilungskriterien. Deren EinreicherInnen werden ihre Arbeiten am 11. November 2009 vor der Jury präsentieren. Daraus bestimmt die Jury die GewinnerInnen. Weiters werden die SiegerInnen und alle eingereichten Projekte in der Fachzeitschrift Zement und Beton und ab 19. November 2009 auf den Homepages der Institute sowie unter www.zement.at veröffentlicht. Der Preis wird am 18. November 2009 im Rahmen eines Festaktes verliehen.