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Klimabedingte Änderungen des Heiz-und Kühlenergiebedarfs

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Mag. Dr. Franz Prettenthaler Joanneum Research Graz

Klimawandel fordert Baukonzepte

Heizen und Kühlen sind beim Klimawandel ideale Parameter, um die Dringlichkeit darzustellen, Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und CO2 Reduktionsmaßnahmen gemeinsam zu untersuchen und auf ihre technischen und ökonomischen Energiepotenziale zu testen. Obwohl das Klima einen deutlichen Einfluss auf den Heiz-und Kühlenergiebedarf hat, ist der Mensch noch immer der bestimmende Faktor.
Der Kühlenergiebedarf wird jedenfalls in Österreich auf absehbare Zeit weiterhin nur einen Bruchteil des Heizenergiebedarfs ausmachen. Die klimabedingte Einsparung an Heizenergiebedarf wird um ein Vielfaches höher sein als der zusätzliche klimabedingte Kühlenergiebedarf. Derzeit liegt der Heizenergiebedarf in Österreich bei etwa 80.000 Gigawattstunden während die Energie für Kühlung nur mehrere hundert Gigawattstunden ausmacht. Bei einem Temperaturanstieg von durchschnittlich zwei Grad Celsius würde sich eine ca. 20 prozentige Reduktion der Heizenergie gegenüber einer ungefähren Verdoppelung der Kühlenergie ergeben.

Energieeffizienz wichtiger als Klimawandel

Aus verschiedenen Szenarienrechnungen geht jedoch hervor, dass der künftige Heiz-und Kühlenergiebedarf weniger durch das Klima, sondern vielmehr durch technische und sozio-ökonomische Entwicklungen bestimmt wird. So können Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz wesentlich größere Einsparungen bewirken als höhere Temperaturen. Umgekehrt geht es beim Kühlenergiebedarf darum, den rasanten Anstieg klimatisierter Flächen als auch des Elektrizitätsverbrauchs entgegen zu wirken.
Obwohl vielfach der Eindruck entsteht, dass der Energieverbrauch im Gebäudesektor abnimmt, zeigt ein Blick in die Energiestatistik Gegenteiliges. Den Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich wirkt im wesentlichen der Trend zu mehr und größeren Wohnungen entgegen. Die Anzahl der Hauptwohnsitze in Österreich hat sich zwischen 1990 und 2003 um zwölf Prozent erhöht, die durchschnittliche Wohnungsgröße ist innerhalb dieses Zeitraumes um 23 Prozent gestiegen. Der energetische Endverbrauch ist seit 1995 kontinuierlich gestiegen, in den letzten Jahren zeigt sich eine leichte Trendwende.

Energiebedarf für Heizen und Kühlen im Vergleich

Der spezifische Heizenergiebedarf zwischen den einzelnen Gebäuden variiert in hohem Maße. Gebäude mit besonders gutem thermischen Standard (Passivhaus-Standard) benötigen dabei mitunter um einen Faktor 20 weniger Heizenergie als schlecht gedämmte Gebäude. Gebäudealter, Gebäudetyp und Beheizungsart spielen eine zusätzliche Rolle.
Europaweite Untersuchungen belegen, dass ein Zuwachs der klimatisierten Fläche und des Elektrizitätsverbrauchs für Klimatisierung im Wohn-und Nichtwohnbereich zu erwarten ist. Obwohl deutliche Effizienzsteigerungen für möglich gehalten werden, können diese die hohen Zuwachsraten derzeit nicht kompensieren. In Österreich betrug im Jahr 2005 der für Kühlzwecke im Gebäudebereich eingesetzte Energiebedarf 549 Gigawattstunden bei einer gekühlten Fläche von 26 Millionen m2.
Dieser Wert entspricht einem Prozent des Energieeinsatzes für Raumwärme im privaten Sektor. Obwohl im Vergleich mit der Heizenergie das Thema Kühlen in Österreich noch eine untergeordnete Rolle spielt, weisen Projektionen eine rasante Steigerung des Kühlenergiebedarfs auf. Für 2020 wird eine Steigerung auf 700 GWh vorausgesagt, damit würden durch Kühlung 250.000 Tonnen Treibhausgabe verursacht werden.

Kosten zusätzlicher Gebäudekühlung

Angesichts des steigenden Kühlenergiebedarfs wird auch die Frage nach den Kosten zusätzlicher Gebäudekühlung ein Thema. Bei konventionellen Kompressionskältemaschinen für Bürogebäude geht man von einem Anteil der Stromkosten an den Gesamtkosten von rund 30 Prozent aus, für Einkaufszentren betragen die Stromkosten rund 50 Prozent der Gesamtkosten. Die spezifischen Kühlkosten pro kWh sind im Vergleich zu den Heizkosten deutlich höher. Je nach Technologie, Gebäudetyp und -größe werden spezifische Kühlkosten von 11 bis 35 Cent ausgewiesen, Heizkosten für Privathaushalte liegen derzeit bei ca. 10 Cent pro kWh, bei größeren Objekten deutlich darunter.