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Zement im Dialog - Nachhaltigkeitsbericht 2010 erschienen

pdf Nachhaltigkeitsbericht 20106.82 MB

Nachhaltigkeit ist inzwischen ein Stichwort, das sich Politik, Wirtschaft, öffentliche Verwaltung und Industrie gern auf die Fahnen heften. In den vergangenen zwei Jahren, einer Zeit, in der alle Branchen mit einer schleppenden konjunkturellen Entwicklung konfrontiert waren, stiegen gleichzeitig die Vorgaben in puncto Nachhaltigkeit. Noch nie war der Handlungsbedarf für nachhaltige Entwicklungen dermaßen dringend wie heute. Die österreichische Zementindustrie erweist sich dabei als Vorbild im internationalen Vergleich. War im 2004 erstmalig veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht noch Vorsicht gegenüber der offenen Darstellung bisher völlig interner Daten spürbar, so hat sich seither ein Wandel vollzogen. Der Nachhaltigkeitsbericht 2010 belegt die Offensive und Öffnung die gestartet wurde und wie das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt, den Ressourcen, den Mitarbeitern wie auch ökonomischen Maßstäben vollzogen wird.

Felix Friembichler, Geschäftsführer der österreichischen Zementindustrie und überzeugt von der Kraft des Dialogs, stellt sich seither gemeinsam mit den Mitgliedern der VÖZ der Konfrontation und Diskussion mit Stakeholdern: "Wir setzen uns mit Kritikern wie auch Experten auseinander und profitieren von der Diskussion für die Weiterentwicklung unserer Industrie. Wir sehen uns als aktive Mitgestalter der Gesellschaft und unserer Umwelt." Die Verwendung des Baustoffes Beton wird, so wie andere Baustoffe auch, in der Zukunft nachhaltiger betrachtet werden als bisher und die Struktur des Baubedarfs wird sich entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt für Schritt wandeln. "Der Anspruch im Energiebereich verlangt kluge bauliche Lösungen, Heizen und Kühlen mit Beton ist ein erster richtiger Schritt in diese Richtung", sieht Friembichler die Situation. 

Kernthemen der Stakeholder

Die Verfügbarkeit von Rohstoffen und fossilen Energieträgern, der Klimawandel, innovative Forschung - insbesondere für neue Anwendungen, nachhaltiges Bauen, Bildung und Ausbildung sowie das gestalterische Potential von Beton stellten die Kernthemen in der Stakeholder-Diskussion.
Für Friembichler ein klarer Auftrag: "Wir werden uns zukünftige Anwendungsgebiete überlegen müssen, die mit einem qualitativen Wachstum der Wirtschaft vereinbar sind, in der es weiterhin genügende Arbeitsplätze gibt – aber die Umwelt nicht über Gebühr beansprucht wird." Die Forderung der Stakeholder ist eindeutig: Es braucht noch mehr innovative Produkte und neue immaterielle Geschäftsfelder, die zu einer globalen Energiesicherheit und zum Klimaschutz beitragen.

Intensive Forschung für innovative Anwendungen

Die Hälfte aller Materialien in Europa werden für Gebäude und Infrastruktur verwendet – der Großteil davon sind Mineralien. Zum nachhaltigen Bauen zählt ebenso der Sanierungsbereich, der Umbau bestehender Bausubstanz, von denkmalgeschützten Gebäuden bis hin zu Bauten aus den 60er Jahren. Der Werkstoff Beton bietet breite Einsatzmöglichkeiten. Während bis vor wenigen Jahren der Fokus auf dem Herstellungsprozess von Zement lag, konzentrieren sich die heimischen Zementunternehmen mit ihren Werken an zwölf Standorten in Österreich verstärkt auf innovative Anwendungen und Einsatzmöglichkeiten von Zement und Beton. Friembichler: "Noch vor Jahren undenkbar und heute Realität ist der Einsatz von Beton als Energiespeicher. Nach den ersten Erfolgen betreiben wir intensive Forschungsvorhaben im Austausch mit der Bauwirtschaft weiter, um stichfeste Ergebnisse für die Realisierung von zukunftsweisenden Projekten zu erhalten. Die thermische Speicherfähigkeit von Beton muss noch weiter forciert und stärker genützt werden." Auch Produktionsanlagen und -prozesse werden von den Forschungsteams laufend Überprüfungen und Erneuerungen unterworfen. Das Forschungsvorhaben "Neue Zemente" wird ab 2012 fertiggestellt werden. Diese weisen mit reduziertem Klinkeranteil und damit weniger CO2-Emissionen eine wesentlich bessere Ökobilanz aus. Das SCR-Projekt (selektive katalytische Reduktion) hat zum Ziel, die Emissionen von Stickoxiden aus der bei der Zementherstellung entstehenden Abluft von derzeit 400 Milligramm pro Normkubikmeter deutlich zu senken. 92 Mitarbeiter sind allein im Bereich Forschung und Entwicklung tätig. Das Investitionsvolumen ist von 6,53 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 7,26 Millionen Euro 2010 gestiegen.

Wirtschaft und Soziales

Die heimische Zementindustrie beschäftigt 1193 Mitarbeiter und trotz schwieriger Wirtschaftslage mussten 2010 keine Mitarbeiter abgebaut werden. Der Frauenanteil steigt seit 2006 kontinuierlich um jährlich rund zehn Prozent. Diese sind in Stabsfunktionen, in Forschung und Entwicklung wie auch in kaufmännischen und administrativen Bereichen tätig. Die überwiegende Zahl der Unternehmen sind Mittelunternehmen die 2010 einen Umsatz von 378 Millionen Euro erwirtschafteten. Die produzierte Zementmenge ging im Vergleich zu 2008 um 20 Prozent zurück. Die Anlageninvestitionen liegen 2010 hingegen auf einem Höchstwert, mit 53,5 Millionen Euro.

Bildung und Ausbildung

Die hochqualifizierte Ausbildung ihrer Mitarbeiter ist der Zementindustrie ein starkes Anliegen. Der hohe Anteil an Lehrlingen, belegt das Engagement in puncto Jugend und Nachwuchsbildung. "Die hohe Qualität unserer Lehrlingsausbildung ist ein wesentlicher Baustein zur Bewältigung der laufend steigenden Qualitätsanforderungen an unsere Branche", erklärt Friembichler. Große Investitionen erfolgen auch in externe, branchennahe Bereiche. So wurde im vergangenen Jahr eine Bildungs- und Forschungsinitiative in Zusammenarbeit mit BauAkademien und Universitäten gestartet. Dabei werden Schulungs- und Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Der seit sieben Jahren von der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie ausgelobte Studentenwettbewerb "Concrete Student Trophy" unterstützt die Studenten bei der Entwicklung realer Bauprojekte.

Umgang mit Ressourcen

Mit einem aktiven Klimaschutz setzte sich die heimische Zementindustrie bereits frühzeitig auseinander. Die Mitgliedsunternehmen arbeiten mit Nachdruck daran, den Einsatz von fossilen Energieträgern zu reduzieren. Die wichtigsten Schwerpunkte dabei sind die Substitution von fossilen primären Energieträgern, die Substitution von Primärrohstoffen für die Klinkerherstellung, die Substitution von Portlandzementklinker im Zement und die Energieeffizienz der Prozesse. "Dabei hoffen wir, dass die Umsetzung der europäischen Abfallrahmenrichtlinie einen weiteren Impuls in Richtung der simultanen energetisch-stofflichen Verwertung im Zementwerk auslöst", so Friembichler. Die österreichische Zementindustrie nimmt in Sachen Klimaschutz und Ressourceneffizienz unbestreitbar einen weltweiten Spitzenplatz ein.