Die Grundschule Montpellier – Schulumbau im historischen Bestand

Eine Sanierung, die durch Reduktion und Freilegung neue Räume schafft

Die Pierre und Colette Soulages Grundschule in Montpellier zeigt, wie ein historischer Bestand durch präzise Reduktion in einen zeitgemäßen Bildungsbau überführt werden kann. Statt das Gebäude zu überformen, entschieden sich die Planer für einen subtraktiven Ansatz: Dichte wurde zurückgenommen, wertvolle Elemente freigelegt und neue Eingriffe bewusst dosiert gesetzt.
Besonders eindrücklich ist die ehemalige Kapelle, deren später eingezogenes Zwischengeschoß entfernt wurde. Die freigelegte und sanierte Betonrippendecke macht die bauliche Geschichte wieder sichtbar, während neue technische Systeme unauffällig integriert wurden. Beton wird dabei nicht nur erhalten, sondern auch dort eingesetzt, wo Erweiterungen und Anpassungen konstruktiv notwendig sind.
Das Ergebnis ist ein Schulbau, der Licht, Luft und historische Tiefe zurückgewinnt. Er zeigt exemplarisch, wie Bestand, Beton und Bildungsarchitektur zu einer neuen, klar lesbaren Einheit werden können. Ein eindruckvolles Projekt nachzulesen im Magazin Zement + Beton 1/26.

Projektüberblick

In Montpellier wurde ein historisch vielschichtiger Gebäudekomplex in eine Grundschule transformiert. Der Entwurf arbeitet nicht mit Überformung, sondern mit Reduktion, Freilegung und präziser Ergänzung.

Herausforderung

Das Gebäude war über Jahrhunderte verdichtet und mehrfach überformt worden. Ziel war es, Bildung in einem historischen Ensemble unterzubringen, ohne dessen Charakter zu nivellieren.

Lösung & Konstruktion

Die Architekten folgten einem subtraktiven Ansatz: Sie nahmen zurück, was den Ort überlagerte, und stärkten jene Elemente, die seine Identität tragen. So wurde etwa das Zwischengeschoß der Kapelle entfernt und ihr ursprüngliches Volumen wiederhergestellt.

Material & Technologie

Beton spielt eine doppelte Rolle: Bestehende Betonstrukturen wie die freigelegte Rippendecke werden saniert, neue Ergänzungen im Mauerwerk, Außenraum und technischen Ausbau setzen die Transformation konstruktiv fort.

Nachhaltigkeit

Das Projekt nutzt vorhandene Bausubstanz weiter, reduziert Eingriffe und schafft durch Rückbau mehr Licht, Luft und räumliche Qualität. Bestandserhalt wird hier zur eigentlichen Nachhaltigkeitsstrategie.

Wirkung & Nutzen

Die Schule gewinnt nicht nur neue Räume, sondern ein starkes pädagogisches Umfeld. Sichtbare Spuren der Geschichte machen die Architektur selbst zum Teil des Lernens.

Stimmen zum Projekt

„Nicht das Hinzufügen, sondern das gezielte Wegnehmen macht hier den Bildungsraum der Gegenwart möglich.“

Projektdaten
Projekt
Pierre und Colette Soulages Grundschule
Ort
Montpellier,
Frankreich
Bauherr
City of Montpellier
Architekt
NAS Architecture
Gebäudetyp
Grundschule / Schulumbau im Bestand
Betontechnologie
Besonderheiten
Umbau eines ehemaligen Nebengebäudes des Musikkonservatoriums; subtraktiver Ansatz; historische Kapelle als Bewegungsraum freigelegt.